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Ölkrise 2026?

Im Zusammenhang mit der Schließung der Straße von Hormuz geistert die Angst vor Engpässen durch die Medien: In der Öl- und Gasversorgung, weltweiter Mangel an Dünger und Kerosin usw. Dies ist ein Versuch, für etwas Klarheit zu sorgen.

Die Golfregion

Die Golfregion mit ihren Anrainerstaaten ist immer noch eine bedeutende Quelle für Öl und Gas. Etwa 20 bis 25% der Weltnachfrage haben vor der Sperrung mit Tankern die Straße von Hormuz passiert. Eine Menge, die nicht so einfach kompensiert werden kann, zumal auch noch der Boykott gegen Russland läuft.

Staaten wie Saudi Arabien, die Emirate und Katar liefern aber längst nicht mehr nur Rohstoffe. Sie veredeln ihr Öl und Gas durch Raffinerien, petrochemische Anlagen, Düngemittel und Aluminium. Da sich Erdgas nur schlecht transportieren läßt, haben sie Anlagen zur Verflüssigung (LNG) und zur Herstellung von synthetischem Dieselkraftstoff und Kerosin aus Erdgas errichtet. Wie stark diese Anlagen von den Iranern zerstört worden sind, kann man derzeit nicht abschätzen. Es wird sicherlich Monate – nach Kriegsende – dauern, bis die volle Kapazität wieder erreicht wird. All dies verteuert auf jeden Fall die Produkte. Hinzu kommt z. B. bei Düngemittel noch der Ausfall von Ukraine und Russland ebenfalls durch Kriegshandlungen. Leittragende sind besonders die sog. Entwicklungsländer, wegen ihrer mangelnden Kaufkraft.

Öl ist nicht gleich Öl

Wichtige Unterscheidung bei Rohöl ist die Dichte und der Schwefelgehalt. Schwefel muß heute – zumindest bei Benzin und Diesel (Rußbildung) – aufwendig entfernt werden. Dazu ist eine spezielle Verfahrenstechnik und sehr viel Wasserstoff nötig. Wasserstoff ist teuer. Er muß entweder aus Teilen des Rohöls oder aus Erdgas gewonnen werden. Deshalb sind süße Rohöle (geringer Schwefelgehalt) teuerer als saure Rohöle (hoher Schwefelgehalt.). Sie werden deshalb bevorzugt von Ländern gekauft, in denen Umweltschutz keine Priorität hat. Bei China kommen noch gemeinsame politische Interessen mit dem Iran und Russland hinzu. Iran handelte bereits vor dem Krieg wesentliche Mengen als Bartergeschäft: Iranisches Öl wurde mit China getauscht um Devisen zu sparen. Eine Methode, die schon die DDR mit der BRD angewendet hatte.

Wichtige (dimensionslose) Kennzahl für Rohöl ist die API gravity. Sie gibt an, welche Dichte das Rohöl im Vergleich zu Wasser hat. Ist die API gravity größer als 10, ist es leichter und schwimmt auf Wasser, ist es kleiner als 10, ist es schwerer und versinkt im Wasser. Man unterscheidet vier Gruppen:

  • Leichtes Rohöl mit einer API gravity größer als 31,1°
  • Mittleres Rohöl mit einer API gravity zwischen 22,3 and 31,1°
  • Schweres Rohöl mit einer API gravity unter 22,3°
  • Schwerstöl oder Bitumen mit einer API gravity unter 10.0°

Hier ist der generelle Zusammenhang wichtig: Leichte Rohöle ergeben mehr Benzin und schwere Rohöle mehr Diesel und Heizöl. Der Flugkraftstoff Kerosin liegt bei der Destillation zwischen Benzin und Diesel. So ergibt z. B. Arabian Heavy aus Saudi-Arabien rund 16% Benzin bei rund 57% Rückstandsöl, aber die europäische Sorte Brent rund 35% Benzin bei nur etwa 39% Rückstandsöl. Rückstandsöl der primären Destillation muß aufwendig weiter verarbeitet werden (Vakuumdestillation, Cracking) und ergibt letztendlich viel Petrolkoks, der nur zu geringen Preisen zu verkaufen ist. Eine solche Raffinerie für schweres Rohöl erfordert wesentlich höhere Investitionen und Betriebskosten. Solche Raffinerien befinden sich vornehmlich an der US-Golfküste. Deshalb haben die USA immer Rohöl aus dem Persischen Golf und Venezuela importiert. Demgegenüber war es profitabler, die leichten Rohöle aus eigener Produktion für den Weltmarkt zu exportieren. So hat beispielsweise das West Texas Intermediate (WTI) einen Schwefelgehalt von deutlich unter 1% („sehr süß“) bei 35 bis 40° API gravity („sehr leicht“). Es ist die internationale Preisreferenz, auf die für alle anderen Qualitäten entsprechende Abschläge ausgehandelt werden.

Venezuela vor Iran

Das Rohöl aus Venezuela ist faktisch Bitumen. Damit es überhaupt in konventionellen Tankern transportiert werden kann, muß es mit Naphtha (Rohbenzin), verdünnt werden. Dieses Leichtbenzin wurde bis zur US-Blockade hauptsächlich aus Iran geliefert und das nunmehr pumpbare Öl gern von Nicolás Maduro an China verkauft. Seit der Verhaftung des Drogenbarons geht das venezolanische Rohöl wieder seinen alten Weg zum US-Golf. Die Raffinerien in den USA arbeiten inzwischen wieder unter Volldampf für die Weltmärkte. Wer sich mit Rohöl und Raffinerien auskannte, dem war es nach der Verhaftung von Maduro klar, daß es nun eng für den Iran werden würde.

China

China importierte hauptsächlich Öl aus Russland und Iran. Es profitierte von dem Krieg in der Ukraine: Billiges Öl gegen Rüstungsgüter. Nach Iran lieferte es Raketentechnologie und sogar nach dem ersten Schlag von Israel und den USA große Mengen Raketentreibstoff zum schnellen Wiederaufbau der Mittelstreckenraketen. Es hätte ihnen klar sein müssen, daß die USA dem nicht endlos zusehen würden. Auch die durchgeführten Aktionen gegen die Schattenflotten war ihnen nicht Warnung genug. Die charakteristischen plumpen Lügen, daß staatliche Raffinerien gar kein Boykottöl kaufen und man auf Teapot-Raffinerien keinerlei Einfluß hätte, halfen auch nicht weiter. Spätestens nach der Uno-Resolution gegen die Sperrung der Straße von Hormuz hätte auch jeder Gutgläubige erkennen müssen, wie nahe sich Russland, China und Iran stehen.

Es war die dämlichste Idee der Revolutionsgarden, die Straße von Hormuz zu sperren. Damit haben sie nicht nur alle Anliegerstaaten verprellt, sondern den USA förmlich ein rotes Tuch vor die Nase gehalten. Sie hätten sich mal besser informieren sollen, warum die Marines überhaupt begründet worden sind: Zur Vernichtung muslimischer Piraten und Schutzgelderpresser an den Küsten des Mittelmeeres vor über zwei Jahrhunderten. Die Freiheit der Meere ist tief verwurzelt in der amerikanischen Bevölkerung und nicht diskutierbar. Es hätte keinen besseren Grund für eine Seeblockade des Iran geliefert werden können.

Jetzt sitzt China in der Zwickmühle: Es gibt kein iranisches Öl mehr, solange es die USA wollen. Trump hat schon vor Wochen keck gesagt, wer das Öl braucht, soll es sich doch holen. China ist dazu nicht in der Lage. Es hat zwar in kurzer Zeit eine riesige Flotte aus dem Boden gestampft, diese ist aber nicht in der Lage sich auf solche Entfernungen mit der US-Marine anzulegen. Ernsthafte innenpolitische Auseinandersetzungen haben bereits stattgefunden. Es sei nur an die „unerklärlichen“ Säuberungen beim höchsten chinesischen Militärrat erinnert. China hat als „gleich starke“ Weltmacht sein Gesicht verloren. Der Drache ist als Papierflieger gelandet. Was das für Konsequenzen hat, ist noch nicht abzusehen. Es hängt davon ab, wer sich in China durchsetzt. Mit Russland hat man offensichtlich auch auf das falsche Pferd gesetzt. Die Ukraine verprügelt mit wachsendem Erfolg die Ölindustrie in Russland. Die Förderung geht ständig zurück und die Verladehäfen brennen. Damit hat China drei als zuverlässig und billig eingeschätzte Ölquellen verloren: Venezuela, Iran und bald auch noch Russland. Die Zeit des billigen Öls ist vorbei. Was aber noch viel schlimmer ist, wahrscheinlich schon ab Herbst müssen sie ihren Öl- und LNG-Bedarf gegen kostbare US-Dollar vom Erzrivalen beziehen. Der Ernst der Lage ist erkannt: China geht mit aller Kraft den Weg zurück in die Kohle. Nicht nur bei der Stromproduktion. Inzwischen werden bereits 400 Millionen to jährlich zur Erzeugung von Synthesegas und Treibstoffen eingesetzt. Daß das kein besonders wirtschaftliche Weg ist, weiß man schon seit dem Untergang von Hitler-Deutschland und der DDR.

Israel

Ein wesentlicher Grund – wenn nicht der Wesentliche – ist in diesem Krieg Israel. Israel kann nicht mehr mit diesem iranischen Regime weiterleben. Solange der Iran als oberstes Staatsziel die Vernichtung Israels hat, kann es keinen Kompromiss in der „Atomfrage“ geben. Israel ist einfach zu klein, um den Einsatz auch nur einer Kernwaffe überleben zu können. Der Iran weiß das und setzt darum seinen Weg unbeirrt fort. Das Gefasel von Abkommen bringt überhaupt nichts. Alle Abkommen waren nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben standen. Alle Verträge wurden gebrochen und unterlaufen. Das Mitleid haschende Gefasel vom Recht auf Anreicherung für zivile Zwecke ist nur noch peinlich. Es gibt ein Beispiel am anderen Ufer: Die Vereinigten Emirate haben schon vor dem Bau ihrer vier Reaktoren auf jegliche Anreicherung und Wiederaufbereitung verzichtet, um gar nicht erst den Verdacht auf „eine Bombe“ aufkommen zu lassen. In diesem Blog ist mehrfach und schon vor Jahren darüber geschrieben worden. Inzwischen stellt sich nur noch die Frage, was zuerst erreicht wird:

  • Die Fertigstellung einer so kleinen Bombe, daß sie auf den vorhandenen Raketen installiert werden kann,
  • oder der Bau einer ausreichend großen Rakete.

Selbstverständlich kann der Iran innerhalb von Wochen eine Kernwaffe zusammenbauen. Alle Materialien und Systeme sind vorhanden. Es ist immer niedlich, wenn „Experten“, die nicht einmal erklären können, warum ein Kernkraftwerk funktioniert, sich in Talk-Runden über die Fähigkeiten der iranischen Nuklearindustrie auslassen. Das Problem ist nur, sie müsste irgendwie nach Israel geschafft werden. Das Problem ist nicht eine Kernwaffe zu bauen, sondern die Miniaturisierung. Gelingt der Durchbruch, wäre Israel verloren. Gerade die letzten Angriffe mit ballistischen Raketen haben gezeigt, daß es keine perfekte Raketenabwehr gibt. Es sind immer mal wieder Raketen durchgerutscht. Allein die Vorstellung, eine solche Rakete könnte einen nuklearen Sprengkopf haben, ist innenpolitisch nicht tragbar. Anderseits baut und entwickelt der Iran immer größere Raketen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich beide Entwicklungslinien treffen. Insbesondere deutsche Politiker haben diesen Zusammenhang nie verstanden. Für Israel war und ist es bestenfalls fünf vor Zwölf. Auch wenn die USA sich zurückziehen würden – was unwahrscheinlich ist – wird Israel den Krieg bis zur bedingungslosen Kapitulation („Regime Change“) des Iran fortsetzen. Es gibt einfach keine andere Möglichkeit des Überlebens. Es ist kein sonderlich großes Problem, den Iran in die „Steinzeit zurück zu bomben“: Zerstörung der Öl- und Gasinfrastruktur, Bombardierung der Kraftwerke und Schaltanlagen, Wasserversorgung etc. Nur, niemand will das, weil es unendliches Leid für die Zivilbevölkerung bedeuten würde und man auch nach dem Krieg miteinander weiter leben will und muß. Japan und Deutschland sind hierfür treffliche Beispiele.

…das ist nicht unser Krieg

plapperte Friedrich Merz daher. Das Volk, das sich einen solchen Kanzler gewählt hat, muß sich um seine Zukunft ernsthafte Sorgen machen. Sorgen, die weit über Rentenkürzung, Krankenkassenbeiträge usw. hinaus gehen. Schauen wir mal im Spätsommer, wenn die Gasspeicher und Heizöltanks aufgefüllt werden müssen. Trump betont immer wieder, die USA haben genug davon. Selbstverständlich werden treue Verbündete bevorzugt bedient. Putin wittert auch schon seinen Vorteil. Was, wenn er den Spieß umdrehen muß und seine Waffenbrüder bevorzugt versorgen muß. Er droht bereits mit der Einstellung der Öllieferungen (keine Durchleitung von „kasachischem“ Öl mehr durch die „Freundschaft Pipeline“). Das klingt so, als wenn die Trauben dem Fuchs langsam zu hoch hängen. Jedenfalls haben die Ukrainer seine Ölindustrie bis tief nach Sibirien unter Dauerfeuer. Ganz ohne Taurus. Das LNG, was insbesondere Deutschland immer noch kauft, braucht bald der Verbündete China.

Schaut man deutsches Fernsehen, glaubt man, wir stehen kurz vor der dritten Kriegserklärung an die USA. Die „Deutsche Staatsräson“, die einst die schreckliche Merkel abgesondert hat, hält genau bis zu Landtagswahlen. Winken ein paar muslimische Wählerstimmen, gibt es sofort keine Panzermotoren mehr. Unsere Geschäftspartner am Golf, mit ihren wirklich ernsten Sorgen, werden einfach ignoriert. Wahrscheinlich hat Saudi Arabien schon eine Pipeline durch Jordanien nach Haifa gebaut, bis wir unsere „All Inclusiv Urlaubsparadiese“ wieder besiedelt haben. Jeder Krieg geht irgendwann zu Ende. Was glauben wir eigentlich, in welcher Welt wir aufwachen werden?