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Zukunft der Kernenergie

Dies sind die Folien und das Gedächtnisprotokoll des gleichnamigen Vortrags, gehalten auf dem Windkraft-Symposium der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag am 23. und 24. Januar 2026. Hier wurde die Kernenergie als eine Alternative zur Windkraft dargestellt. Auf vielfachen Wunsch werden die umfangreichen Tabellen hier ins Netz gestellt um die „Geisterfahrer-Frage“ zu verdeutlichen: Liegen alle unsere Nachbarn, die alle eine Zukunft in der Kernenergie sehen, falsch oder vielleicht doch nur das „Bester aller Deutschlands“. Mögen sie zur Diskussion mit all denen beitragen, die immer noch fest daran glauben, Deutschland würde „vorangehen“. Als Hinweis für alle Skeptiker sei gesagt, wenn man den Namen und das Land eines Kernkraftwerks kennt, kann man damit z. B. über Suchmaschinen — und oft schon wikipedia — viele weitere Informationen bekommen.

Die Situation in Deutschland und der Welt

Ein entscheidendes Datum für die Kerntechnik war der 11. März 2011 als ein schrecklicher Tsunami Japan verwüstete. Durch die Flutwelle wurden alle Blöcke des Kernkraftwerks Fukushima zerstört. Ein vermeidbarer Unfall, bei dem aber kein Mensch durch ionisierende Strahlung getötet wurde. Ein schrecklicher Unfall, der vermeidbar gewesen wäre, hätte man sich beim Bau an den Stand der Technik gehalten.

Wie reagierte Japan?

Die Welt hielt inne, man analysierte sorgfältig den Unfallablauf und untersuchte alle Kernkraftwerke auf Schwachstellen. Weltweit setzte ein gewaltiges Nachrüstungsprogramm ein. Reaktoren, bei denen die Kosten für zusätzlichen Schutz vor Erdbeben und Flutwellen zu groß waren, wurden sogar (vorläufig) stillgelegt.

Wie reagierte Deutschland?

Schon am 30. Juni 2011 (nur 3 Monate später!) beschlossen Bundestag und Bundesrat den totalen Ausstieg aus der Kernenergie. Die sieben älteren Kernkraftwerke wurden sofort abgeschaltet. Das letzte Kernkraftwerk Neckarwestheim wurde am 15. April 2022 abgeschaltet. Das, obwohl noch im vergangenen Wahlkampf die späteren Regierungsparteien für eine Laufzeitverlängerung geworben hatten. Der Öko-Sozialismus, in dem der Wind und die Sonne “keine Rechnung schicken”, schien auf ewig verwirklicht. Das Paradies auf Erden würde anbrechen. Die Wahrheit jedoch ist, wir haben inzwischen die höchsten Strompreise in Europa. Die Industrie bricht unter dieser Last zusammen, die Arbeitslosigkeit und Armut steigen.

A. Der japanische Weg

Japan ist ähnlich kapp wie Deutschland an heimischen Energieträgern. Das Ergebnis war auch dort ein explodierender Preis für Elektrizität. Die Abhängigkeit von LNG, Öl und Kohle nahm beängstigend zu. Deshalb war von Anfang an klar, an der Nutzung der Kernenergie führt kein Weg vorbei.

  • Man legte (vorläufig) 18 Reaktoren still.
  • Man stoppte den Neubau von Reaktoren (Baustelle Shimane 3, Typ ABWR) bis heute.
  • Man nahm 13 Reaktoren nach umfangreichen Nachrüstungen wieder Betrieb.

Es handelt sich hier um 12 Druckwasserreaktoren und nur einen Siedewasserreaktor. Es sind alles neuere Reaktoren bzw. sie hatten schon vor der Abschaltung eine umfangreiche Modernisierung zur Laufzeitverlängerung durchlaufen. Die Genehmigungen erforderten umfangreiche Aufklärung der Anwohner — teilweise Gerichtsprozesse von „Umweltgruppen“. Trotzdem sind jetzt wieder 11,6 Gigawatt am Netz.

17 Reaktoren (17 GW~el~) befinden sich noch in der Nachrüstung (Sicherheit, Erdbeben, Überflutungen etc.) bzw. warten auf ihre endgültige Betriebsgenehmigung. Teilweise gibt es Widerstand von lokalen Gruppen und noch laufende Gerichtsverfahren. Aktuell werden die Blöcke Kashiwazaki Kariwa 6 und 7 nach 14 Jahren Abschaltung wieder in Betrieb gesetzt. Der Betreiber Tepco ist auch der Eigentümer der zerstörten Reaktoren von Fukushima. Tepco argumentiert damit, daß die beiden Blöcke einen Reingewinn von ungefähr 1,2 Milliarden USD pro Jahr erzielen würden, die dringend zur Sanierung von Fukushima benötigt würden. Diese Zahl ist für die Konsequenz der Abschaltung der — modernen und voll funktionstüchtigen — Reaktoren in Deutschland von Interesse. Schätzt man die potentiellen Einsparungen für den Weiterbetrieb der letzten 6 Reaktoren ab, käme man schätzungsweise auf eine Einsparung von rund 4 Milliarden EUR jährlich.

B. Wiederbelebung stillgelegter Reaktoren in USA

In den USA werden derzeit drei bereits stillgelegte Reaktoren aus den siebziger Jahren wieder in Betrieb genommen. Grund ist die Nachfrage geplanter Gross-Rechenzentren für sog. KI. Diese brauchen 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche eine zuverlässige Stromversorgung. Eine Versorgung durch “Wind und Sonne” ist deshalb ausgeschlossen. Der Neubau von Gaskraftwerken ist unwirtschaftlich. Deshalb haben die Investoren der Rechenzentren mit diesen Reaktoren Verträge über mehrere Jahre für feste Abnahmemengen zu festen Preisen abgeschlossen. Dies ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Die Verträge ermöglichen es, die notwendigen Nachrüstungen für eine Laufzeitverlängerung zu finanzieren. Die Rechenzentren erhalten konkurrenzlos billigen Strom. Dies war nur möglich, weil zwischen den USA und Deutschland eine gänzlich unterschiedliche Sicherheits-Philosophie vorherrscht: In den USA wird nach Abschaltung lediglich der Brennstoff und alle Flüssigkeiten entfernt und der Reaktor bleibt für geplant 40 Jahre stehen, damit die Radioaktivität weitesgehend abklingen kann (Arbeitsschutz). In Deutschland herrscht die Ideologie der “verbrannten Erde” vor und man zerstört die Anlagen möglichst schnell und gründlich, damit eine Wiederinbetriebnahme durch höhere Kosten verhindert werden soll.

Ein neuer Trend ist die Direktvermarktung von Strom aus Kernkraftwerken. Ein Großverbraucher (hier der Software- und Internet-Gigant META) finanziert z. B. die notwendigen Nachrüstungen und bekommt dafür “billigen Strom”. Dadurch wird die preiswerteste Energie der Kernkraft aus dem Markt (Strombörsen) genommen, was die Preise für alle anderen Verbraucher weiter in die Höhe treibt. Ein ähnliches Modell findet zwischen ArcelorMittal und EDF in Frankreich statt. Wenn die Direktvermarktung Schule macht, dürfte das in Deutschland zu einer Kostenexplosion führen: Das “Schmarotzen” bei unseren Nachbarn in der Dunkelflaute wäre damit nicht mehr möglich. Eine beschleunigte Deindustrialisierung wäre die Folge.

C. Neubau von Großreaktoren (nur) in Europa

Entgegen der Behauptung von “Grünsprechern” sind zahlreiche neue Kernkraftwerke bei unseren Nachbarn in Bau und Vorbereitung. Das “Vorangehen” der deutschen Energiepolitik ist nichts weiter als ein frommer Wunsch.

Die zwei Reaktoren Hinkley Point C (GB), der Schwerwasserreaktor Cernavoda (RO) und die vier Blöcke in Akkuyu (TR) sind bereits in Bau und gehen in den nächsten Jahren ans Netz. Zusammen immerhin 9,5 GWel .
In Vorbereitung (d. h. unmittelbar bevorstehender Baubeginn) ist das Kraftwerk Sizewell C (GB) als Spiegelung von Hinkley Point C. Es sind bereits ungefähr 1,5 Milliarden EUR geflossen. Das Kraftwerk Lubiatowo Patow (PL) an der polnischen Ostseeküste, für das z. B. der Auftrag für die Fertigung der Turbosätze (Arabella) mit Zubehör bereits vergeben ist. Für Paks II (H) sind die Großkomponenten (Druckgefäß, Dampferzeuger) bereits in der Fertigung. Zusammen etwa 7,9 GWel .
Die weiteren Kraftwerke in der Tabelle befinden sich in der Konstruktion, Ausschreibung oder warten auf ihre Genehmigung.

D. Leichtwasser SMR in Europa

Frontrunner ist der BWRX-300 von GE Vernova Hitachi. Ein Siedewasserreaktor der sog. 10. Generation. Er ist vollkommen passiv (Naturumlauf) und bietet bei einem Schaden eine automatische Abschaltung mit mindestens 72 Stunden Zeit, bis überhaupt ein menschlicher Eingriff nötig ist. Der Reaktor ist keine revolutionäre, sondern eine evolutionäre Entwicklung. Er verwendet angeblich 90% Komponenten, die schon im praktischen Einsatz sind. Damit ist das Betriebsrisiko sehr klein und die Schulung des Personals schnell möglich. Insbesondere in Polen und Tschechien ist das Interesse sehr groß, weil man sich frühzeitig bei den internationalen Lieferketten einbringen will. Es sind bereits zwei Reaktoren in Darlington in Kanada in Bau. Sind dort alle Genehmigungsverfahren endgültig abgeschlossen, sind weitere Projekte in USA vorgesehen. Es besteht eine sehr enge Kooperation zwischen beiden Genehmigungsbehörden.

Eine weitere Schiene der SMR sind kleine Druckwasserreaktoren. Der Reaktor von Holtec hat nur eine Leistung von etwa 160 MWel. Für größere Kraftwerke sollen mehrere Reaktoren zusammengeschaltet werden. Besonders Tschechien und die Ukraine sind an einem Werk zur Fertigung für Europa interessiert. Holtec ist bisher nur für Lagerungssysteme für abgebrannte Brennelemente weltweit etabliert. Noch kleiner ist der Reaktor VOYGR 77 von NuScale. Es handelt sich um einen integrierten Druckwasserreaktor mit 77 MWel , bei dem Dampferzeuger und sonstige Komponenten alle in einem Druckbehälter integriert sind. Es geht nur Speisewasser hinein und kommt fertiger Dampf für eine Turbine heraus. Die Reaktoren sind wie eine Thermosflasche gebaut und stehen in einer Art Schwimmbecken. Sollte irgendetwas passieren, wäre somit genug Kühlung für die Notkühlung vorhanden. In Rumänien ist ein Kraftwerk aus sechs Reaktoren zum Ersatz eines Kohlekraftwerks vorgesehen. Die wesentlichen Komponenten sind bereits in Korea gefertigt und die Finanzierung ist über die USA abgesichert.

Eine Sonderstellung nimmt der Reaktor von Rolls-Royce ein. Er ist die einzige europäische Entwicklung. Er ist gemäß der Definition mit seiner Leistung von 470 MWel kein echter SMR mehr. Bei ihm galt eher der Grundsatz: So groß wie möglich unter Einhaltung der Modularität. Alle Baugruppen sollen komplett in der Fabrik gefertigt und getestet werden. Die Module müssen auf der Baustelle lediglich miteinander verbunden werden. Neuartig ist auch der Erdbebenschutz. Der gesamte nukleare Teil (etwa 16 x 4 m) soll in einer Betonwanne elastisch gelagert werden. Es ist damit lediglich ein rechnerischer Nachweis für jeden beliebigen Standort nötig. Innovativ ist auch das Reaktordruckgefäß. Dessen geschmiedete Komponenten sollen mit einem Elektronenstrahl miteinander verschweißt werden.
Eine weitere Innovation kommt aus Finnland. Das Unternehmen Steady Energy will reine Heizreaktoren mit einer Wärmeleistung von 50 MWth bauen. Sie erzeugen lediglich heißes Wasser mit bis zu 150 °C für Fernwärmenetze. Neuartig und komplex ist lediglich das Genehmigungsverfahren für Reaktoren “mitten in der Stadt”. Alle skandinavischen Länder, plus Tschechien und Polen haben sich zu diesem Zweck zusammengeschlossen. Deutschland ist selbstverständlich nicht dabei, weil es in seiner unendlichen Weisheit aus der Kerntechnik ausgestiegen ist. Deutlicher kann es nicht sein, was geschieht, wenn man sich selbstherrlich vollständig aus einer Technologie zurückzieht: Man hat nicht einmal mehr Einfluß auf die Sicherheit (in seinen Nachbarregionen).

Abschließend noch etwas zu der Entwicklung der sog. GEN IV in Europa. Schweden und Frankreich arbeiten an Reaktoren mit schnellem Neutronenspektrum und Blei als Kühlmittel. Auf diesem Sektor ist bisher Russland führend. Dort ist bereits ein solcher Reaktor mit einer neuartigen Wiederaufbereitung in Bau. Vereinfacht gesagt, geht bei einem solchen Kraftwerk nur abgebrannter Brennstoff aus z. B. Druckwasserreaktoren rein und (abgeklungene) Spaltprodukte nach Zwischenlagerung am Standort wieder raus. Neben der Uranausnutzung um nahezu den Faktor 100, wäre damit die “Atommüllfrage” als vollständig gelöst zu betrachten. Es werden weder Bergwerke als Endlagerung benötigt, noch müssen diese für “eine Million Jahre” von der Umwelt isoliert werden. Das französische Unternehmen Nucleo baut bereits in Italien einen (nicht nuklearen) Prototyp mit elektrischer Beheizung um das Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Parallel wird an einem Reaktor in Frankreich gearbeitet.
Das französische Unternehmen Hexana verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie beim Projekt Kemmerer in USA. Dort wird ein Reaktor mit Natrium als Kühlmittel gebaut. Er erhält zusätzliche Speicher aus “Solarsalz”, die zur Erzeugung von Spitzenstrom für die Regelung von Flatterstrom aus Wind und Sonne genutzt werden können.
In Dänemark und Frankreich entwickelt man Reaktoren mit Salzschmelze. Fernziel ist die Nutzung von Thorium, welches heute lediglich ein lästiger radioaktiver Abfall bei der Produktion von “seltenen Erden” ist.